Make NachhaltigkeitsBildung Nachhaltig – Ein Manifesto!

 

 

„Lasst uns kreative Gestalter eines nachhaltigen Morgen ausbilden.“

Durch die Nachhaltigkeitsbrille gesehen ist Kunst-, Kreativ- und ja sogar Nachhaltigkeitsbildung selbst eine überraschend große Baustelle. Nachhaltigkeit spielt in den Mitteln – also darin wie gearbeitet wird – praktisch selten eine Rolle bzw. wird sogar konterkariert. Das Thema selbst mag Nachhaltigkeit sein, aber die verwendeten Materialien und Arbeitstechniken sind es nicht. So werden die Gestalter*innen von morgen zwar in die Lage versetzt, über Nachhaltigkeit zu reden, aber nicht sie wirklich umzusetzen.

Ein Teil unserer Arbeit bei Mifactori dreht sich genau darum, Nachhaltigkeitsbildung auf allen Ebenen nachhaltig werden zu lassen. Und wir haben sogar eine Art Manifesttext dafür im Ärmel. Leider ist der noch im Skizzenstadium, vielleicht finden wir für die Ausführung bald finanzielle Unterstützung (Das hier ist auch ein offener Förderantrag!) Aber weil die Gelegenheit gerade richtig ist, veröffentlichen wir hier die unfertige Skizze. Es handelt sich um ein Videoskript welches begleitet sein soll von einem Poster mit simplen Handlungshinweisen. Aber hier erstmal zur Skizze, die die wesentlichen Ideen bereits durchscheinen lässt:

Bildungsmanifest☉ (Skizze)

Was sein soll

Wollen wir, dass unsere Kinder später in der Lage sind, diese Welt nachhaltig zu gestalten, um sich selbst und ihren Kindern und unseren Enkeln ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, dann muss nachhaltiges Handeln in ihren natürlichsten und tiefsten Gedanken sein. Als Automatismus! „So macht man das einfach. Ein anderer Weg fällt mir jetzt gerade gar nicht ein.“

Und darum sind gerade die Stellen, an denen sie in ihrer Bildung kreativ sein sollen, wo sie lernen, sich auszudrücken, wo sie sich selbst kennenlernen – finden und erfinden – so wichtig. Wo sie zu Gestalter*innen werden, da muss es selbst nachhaltig sein – in den Mitteln, die zur Anwendung kommen.

Was ist

Leider ist es heute in der Kultur- und Kreativbildung und sogar Nachhaltigkeitsbildung oft andersherum:

Da wird zerschnitten und geklebt, es fliegen gedankenlos bunte Plaste-, Filz- und Pritstifte herum. Plastik, Plüsch & Glitzer!

Man kauft in Billigläden, sogar Elektronik und Batterien – es kostet ja nix –, für Projekte, an denen die Kids meist gerade mal so lange Interesse haben, wie sie laufen.

Einmal kurz basteln und wenn die Stunde oder der Vormittag um ist, trägt man einen großen Sack Müll – nicht selten praktisch sogar Sondermüll – hinaus.

Ein kurzer Spaß und viel Chaos hinterher. Sogar in der Wald- und Naturschule kann man solche Basteltechniken beobachten.

In die Produktion all dieser Farben, Materialien, Kunsstoffbeschichtungen, Kabel und in ihre Lieferung ist Energie geflossen. Und in ihre Entsorgung. Es wurde und wird CO2 in die Atmosphäre geblasen, es wurden und werden Bäume geschlagen, Wasser verunreinigt, Insektizide versprüht, Boden aufgerissen und so weiter…

Die Art, wie Kreativworkshops gestaltet sind, treibt dieses Rad an.

The Medium Is The Message

Und die tieferliegende Botschaft an die Kinder ist dann: „Ah, kreativ sein, etwas gestalten, das ist, wo ich ganz viele neue leuchtende, bunte Materialien aus dem Regal nehme, zerschnippele, mit Kleber vermatsche und wo hinterher ein großer Berg Müll entsteht. Und vielleicht interessiert mich ja das Ergebnis sogar kurz.“

Von Planet zu Produkt zu Müll [Dreieck zeichnen]. Zu vermülltem Planeten!

Im Zweifel ist den Kindern aber ihre Zukunft lieber als dass sie irgendwas gebasteltes mit nach Hause nehmen können oder sie mit bunten Wegwerfmaterialien manschen können.

Locked In

Für die erwachsenen Gestlalter*innen dieser Kurse ist es schwer, da rauszukommen. Sie haben es ja genau so selbst gelernt. Nur heute kostet all dieses Bastelmaterial kaum mehr etwas und es gibt auch viel mehr (der Raubbau am Planeten hat noch viel schärfere Zähne bekommen). Jippie! Auf geht es.

Das sitzt tief in den Erwachsenen. So sind wir, wenn wir kreativ sind. Und jetzt packen wir es tief in unsere Kids hinein und lassen sie so werden. Dabei muss die neue Generation lernen, ihre Kreativität zu entdecken und zu formen, ohne dabei zugleich ihre eigene Zukunft auf diesem Planeten zu zerstören.

Es ist viel schwerer, Dinge zu verlernen als neue zu lernen. Deswegen müssen Kinder in der ersten Sekunde, wo sie gestalten lernen, nachhaltig gestalten lernen. Und zwar nicht später im Kontrast zu dem, wie man es „eigentlich“ macht.

Vielleicht denken sie gerade: „Häh, aber anderes geht es doch gar nicht der Kreativunterricht! Ich wüsste gar nicht wie es anders geht.“ Wissen sie es?

Let’s Change! 

Wir sind auf die Suche gegangen und haben in den letzten Jahren versucht, eine Reihe von Kreativ-Workshops zu (er)finden, die selbst nachhaltig sind.

Wir haben uns enge Grenzen gesetzt. Und diese Grenzen gemeinsam mit den Erfahrungen und Ideen, die wir einsammeln konnten, haben wir versucht zusammen zu fassen in Form von einfachen Regeln – Regeln für nachhaltige Kreativititätsbildung, oder nachhaltige Nachhaltigkeitsbildung – die auch anderen helfen können.

[POSTER HOCHHALTEN]

Ich geh die mal einzeln durch.

(METAHINWEIS: Dieser Teil ist leider wenig fertig. Die Regeln sind nicht 100% final. Und die Regeln sollen immer kurz erklärt werden und dann sollen Beispiele aus unserer Arbeit kurz zur Illustration herangezogen werden. Es sind ein paar Links genannt.)

 

„Im Zweifel ist den Kids ihre Zukunft lieber als dass sie irgendwas Gebasteltes mit heim nehmen können oder sie mal kurz nicht nass werden, weil sie ein Regencape und ein Plastikkissen haben.“

Regeln

Die Regeln lassen sich in drei grobe Bereiche einteilen. Der erste ist:

WOMIT? –> Das Material

Womit arbeiten?

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UPCYCLE (URBAN MINING!)

Mit dem arbeiten, was woanders zu Müll geworden ist. Urban Mining ist …

Storys

Verpackungspappe → PdP2 Straßenunkräuter
Straßenposter → PdP9 Bioplastiklampen
Textilresten → PdP16 Modulare Mode
Kunststoffteile → PdP8 Circular Transformers

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DER BASTELLADEN IST TABU

Einfach mal den Bastelladen komplett tabu sein lassen. Kreativität liebt Begrenzungen. Seine Probleme ohne Shopping lösen, das kann zu interessanten und überraschenden Lösungen führen.

Storys

→ PdP all

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NACHHALTIGES MATERIAL AUSWÄHLEN

Glitzerpapier macht Spaß!(?) Aber wie ressourcenintensiv war es in der Produktion? Braucht man das wirklich? Kann man den selben Effekt auch anders erzielen? Z.B. mit Upcyclingmaterialien? Vielleicht wählt man lieber recycelbare Materialien oder solche, die sich mit wenig Energie und Chemie produziert wurden. Vielleicht lassen sich mit denen Effekte erzeugen, die noch viel interessanter sind, als die des Glitzerpapiers!

Storys

Holz(Reste) → PdP3 Vogel- und Insektenschutzstadt

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WENIGER IST MEHR, ODER: DER GELDBEUTEL BLEIBT VOLL

Es ist heute leicht möglich zu kleinen Preisen allerlei Material und Equipment zu besorgen. Aber muss man für den Wandertag der ganzen Klasse Regencapes in der selben Farbe besorgen? Muss man für alle aufwändige Namensschilder produzieren lassen? Muss man Jutebeutel, Becherlupen oder gar Souveniers verteilen? Müssen alle einen selbst gebastelten Radiowellenempfänger mit nach Hause nehmen?

All diese Sachen einfach nicht anschaffen! Meistens kann man einfach Dinge, die sowieso schon da sind, (um)nutzen oder einfach mit etwas Kreativität kurz auf eine Nebenspur ausweichen und z.B. im Schatten bleiben [LINK: Buch des Produktfreien Lebens]

Storys

Dinge umnutzen → Pre-Use-Hackday
Dinge weglassen → PdP14 Produktfreies Leben
Dinge zurückbauen → PdP6 Farmscraper

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DEN DROGEN WIDERSTEHEN

Die bunten Knisterpapiere kann man vergleichen mit Drogen. Sie geben einen schnellen kurzen Endorphin-Hit. Aber es entsteht auch ein Kater hinterher beim Wegwerfen, eine fiese Abhängigkeit und ein Stück-für-Stück sich selbst und seine Zukunft kaputt machen.

Kleber und Klebeband sind wie Drogen. Schnell und ohne viel Geschick hat man damit gebaut. Aber der Kater kommt, wenn die schlecht gebauten Sachen den Papierkorb zum Überlaufen bringen.

Der Papierkorb ist wie eine Droge. Ruckzuck löst er am Ende schnell alle Probleme. Man muss sich vorher keine Gedanken machen, was eigentlich hinterher mit den Materialien geschieht. Der Papierkorb hält uns dumm. Er ersetzt vorheriges Nachdenken.

… All diese Dinge sind wie Zucker oder Sekt. Zucker macht müde. Und nach jeder bunten Sektparty folgt ein Kater. Und wenn man genau hinsieht, dann sieht man diesen Kater auf den Gesichtern der Kids und Erwachsenen nach diesen Workshops… Kann man sich auch nachhaltig und gesund „ernähren“?

WIE? -> Die Bauweisen

Wie Dinge zusammenfügen?

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MATERIAL GEBRAUCHEN, NICHT VERBRAUCHEN

Wieso nicht an sich selbst und andere das Ziel ausgeben, nichts in den Mülleimer zu werfen? Falls doch etwas im Müll landen soll, dann nur Sachen, die man ohnehin vorher schon aus dem Müll gerettet hat wie z.B. Pappe vom Supermarkt oder Kunststoffteile aus dem Plastikmüll. Wenn man damit arbeitet und sie z.B. wiederum kleinschneidet, dann auch mit den Spänen verantwortungsvoll umgehen – Müll trennen.

Diese Bauweisen helfen dabei, Müll zu reduzieren oder eigentlich sogar komplett zu vermeiden:

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MODULARITÄT UND WIEDERVERWENDBARKEIT

Über Modularität und Wiederverwendung nachdenken! Idealerweise sortiert man am Ende des Projektes alles zurück für die nächsten Kinder. Fotos und Videos als bleibende Ergebnisse können völlig reichen. Oder man verzichtet ganz auf bleibende Ergebnisse wie es tibetische Mönche mit ihren Sandmandalas machen.

Storys

Modulare Architekturmodelle → PdP6 Farmscraper
Modularer PetPalast → PdP1 PET.Palace
Modulares Stadtmodell → PdP13 Wandelbare Stadt
Buchstaben → PdP10 Open Bauklotz Font

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PRE-USE / NICHT ZERSTÖRERISCHE UMNUTZUNG!

Arbeitet mit dem Material auf eine Weise, die dessen Potentialität erhält. Nicht-destruktive Kreativität. Denkt zwei Schritte voraus! Was passiert danach damit Stühle und Tische im Raum sind wunderbares Baumaterial. … Pre-Use ausführen

Storys

Im Schulhaus Möbel rücken! Usw. → PdPX Pre-Use-Hackday

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OPENNESS BZW. WISSEN TEILEN LERNEN!

Die Kids sollen lernen miteinander zu teilen und sich Sachen zu erklären. Auch Resourcen gemeinsam zu nutzen. Man kann mit ihnen gemeinsam im Netz z.B. direkt Dokumentationen als Teil des Workshops produzieren.

Storys

Pads nutzen → Hackfabrik
Video-Tutorials drehen → PdP14 Insekten essen

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KLEBEN IST TABU

Schrauben, klemmen, stellen usw. Nicht kleben. Wiederlösliche Verbinder einsetzen! Kleben ist viel zu oft der Feind nachhaltigen Designs und Lebens. Ein verklebtes Plastikgehäuse lässt sich nur schwer öffnen, um defekte Innereien zu reparieren…

Storys

Schulhausrücken → PdPX Pre-Use Hackday
Schrauben 1 → Streetwaste to modular building parts
Schrauben 2 → PdP8 Circular Transformers

WAS? Die Themen

Es sind Kreativworkshops. Man kann mit diesen Methoden alle nur denkbaren Themen untersuchen von der Selbstfindung bis zum Fantasialand. Will man aber auch inhaltlich Nachhaltigkeit ins Spiel bringen, bieten sich eine ganze Reihe schöner Ideen an. Im Grunde kann man mit etwas Kreativität alle Nahhaltigkeitsthemen, die sich finden lassen, mit den Kindern behandeln und für sie umformen. Auch Atomkraftwerke, Lobbyismus, die Entstehung von Öl oder das Innenleben von Massenschlachthöfen.

Storys

Nachhaltige Ernährung → PdP14 Insekten essen
Eine Demonstration machen → PdP17 Ökostadt-Demo
Die autofreie Stadt erfinden → PdP5 Autofreie Stadt
Das produktfreie Leben erfinden → PdP14 Produktfreies Leben
Reparatur bewerben → PdP12 Reparaturstadt
Müllfrei Leben → PdP11 Zero-Waste-Stadt
Nachhaltige Produktentwicklung → PdP16 Modulare Mode
Strukturelle Unterstützung für die Biosphere → PdP3 Vogel- und Insektenschutzstadt | Openness Makes The World Go Round

und viele mehr

Aus einem anderen Video, so ungefähr ist das auch hier gedacht.