Volker – 15 Minuten Papphocker

Einen stabilen Hocker aus Wegwerfpappe bauen ohne besondere Fähigkeiten und Werkzeuge. So geht es:

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01 Werkzeuge

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Man braucht:

  • ein Cuttermesser,
  • einen Schraubendreher (M4),
  • 8 (oder 10) M4 Schrauben (lang genug, um durch 4 Lagen Pappe zu kommen),
  • 16 (oder 20) große M4 Unterlegscheiben (15mm oder 20mm),
  • 8 (oder 10) M4 Muttern und
  • Pappe – zwei- oder dreiwellig (siehe unten)!
  • Hinweis → Es ist absichtlich kein Schraubenschlüssel dabei. Wenn man die Pappe zusammenschraubt, soll die Verbindung fest aber nicht zu fest sein. Das, was man mit großer Anstrengung mit seinen Fingern schafft, ist in der Regel genau richtig.

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02 Pappe verstehen

Für den Bau muss man Pappe verstehen.

  • Pappe besteht in der Regel aus 2 Platten und einer dazwischen geklebten Wellenlinie aus dünnem Papier (siehe oben).
  • Drückt man “von oben” – also von dort, wo man in die langen Wellenkanäle hineinsehen kann (siehe Bild), dann ist Pappe sehr stabil. Drückt man von der Seite, gibt es schnell Knicke, dort ist die Pappe schwach.
  • Das ist wichtig für unseren Hockerbau: Auf dem Bild oben ist eine Strichlinie eingezeichnet, die zeigt, wo die Wellenkanäle läng gehen. Die findet sich auch auf den Bildern der nächsten Bauabschnitte. Es ist wichtig, die Ausrichtung der Pappe – also der Wellenlinien – richtig zu haben.
  • Welche Pappe? Pappe wird unterschieden in 1-wellig, 2-wellig oder 3-wellig. Je nachdem, wie viele Schichten sie hat. Je mehr Schichten desto stabiler. Wir empfehlen für den Hocker 2-wellige oder gar 3-wellige Pappe. 1-wellige Pappe kann auch funktionieren, doch dann hält der Hocker nicht lange und hält auch keine großen Gewichte aus.

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03 Bauteile zurechtschneiden

Insgesamt braucht man 6 Bauteile.

  • Vier identische kleinere Bauteile (auf dem Bild rechts). Zu den beiden Maßen:
    • a → Das Maß a bestimmt, wie groß die Sitzfläche in der Breite ist, die Fläche also auf der man sitzt, (die 4 Seiten werden praktisch zu einem Würfel verbunden, auf den dann noch die Sitzfläche kommt). Gute Maße liegen hier irgendwo um die 30 cm plus minus 5cm. Es ist nicht wichtig, dass das Maß a bei allen Bauteilen immer identisch ist, Abweichungen von mehreren Zentimetern sind kein Problem!
    • b → Das Maß b bestimmt, wie hoch der Hocker ist. Eine gute Sitzhöhe liegt irgendwo zwischen 36 und 45 Zentimetern. Das Maß b sollte bei allen Bauteilen exakt gleich sein! Im besten Falle orientiert man sich an einem Maß, dass die Pappe, mit der man arbeitet, bereits mitbringt. Dann spart man sich auch das Schneiden.
  • Zwei identische größere Bauteile (auf dem Bild links). Zu den Maßen
    • c → Die Höhe des Bauteils (man achte auf den Verlauf der Wellenkanäle!) sollte mindestens die Höhe b haben (also die Sitzhöhe). Dazu kommt noch die Sitzfläche. Wie groß die Sitzfläche genau ist, hängt vom Maß a ab. Wer gut ist in Mathe, kann das direkt berechnen. Alle anderen lassen oben einfach mindestens das Maß a stehen (c=a+b) und schneiden zum Schluss die Sitzfläche zurecht (siehe weiter unten).
    • d → Wie breit man das Bauteil macht, hängt davon ab, welche Hockerform man haben möchte und wie groß das gewählte Maß a ist. Da ist man recht frei. Um am Schluss in der Nähe eines Quadrates rauszukommen, empfiehlt sich ungefähr das Maß a plus ca 1/3 des Maßes a (d=a+1/3a) – also etwas größer als a. Wer da genau sein will, kann den Satz des Pythagoras bemühen, bei einem perfekten Quadrat hätte man ja an den Ecken, wo die beiden a-Seiten aufeinandertreffen, einen rechten Winkel. Aber das ist der Vorteil dieses Designs, auf ein paar Zentimeter Abweichung kommt es nicht an.

Die beiden Lagen in der Mitte zeigen das Maß d in Relation zum Maß a, welches die Schenkel der beiden Dreiecke links und rechts bilden.

  • Es ist ein wenig das Ziel, hier einen Hocker zu haben, der nicht auf 100% korrekte Abmessungen angewiesen ist. Deshalb geben wir keine Maße vor.

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04 Beine falten

  • Die vier Beinteile werden an den Rändern gefaltet.
  • Das Falten sollte kein Problem sein, da es entlang der Wellenkanäle geschieht.
  • Der Abstand der Faltlinie zum Rand sollte zwischen 2 und 3 cm liegen. Abweichungen sind nicht schlimm.

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05 Zusammenbauschritt I

  • Die Beinteile werden zusammengeschraubt mit jeweils 2 Schrauben pro Naht.
  • Die Löcher dafür kann man einfach mit dem Schraubenzieher stechen.
  • Danach führt man die Schrauben durch. Die Schrauben sollten auf beiden Seiten (also bei Kopf und bei Mutter) eine Unterlegscheibe haben.
  • Der Abstand der Schrauben zu Boden und Deckel sollte irgendwo um die 5 cm liegen.

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06 Sitz falten

  • Bevor man den Sitz einbaut, muss die Pappe dafür gefaltet werden. Hier faltet man entgegengesetzt zu den Wellenkanälen. Wer schonmal Pappe gefaltet hat, der weiß, das ist gar nicht so einfach. Vor allem bekommt man keine gerade Linie hin. Darum:
  • Man nehme die stumpfe Seite eines Stiftes und ziehe einen kleinen Kanal bzw. eine Vertiefung in die Pappe. Als Lineal nutzt man dafür eines der Beinteile, denn die Länge des Sitzteils muss an einer Seite genau der der vier Beinteile entsprechen.
  • Wie man auf dem Bild sieht, drückt man die Pappe damit nur ein Stück ein – schwächt sie. Es kann zu kleinen Einrissen kommen, das ist nicht weiter schlimm. Dann den Stift einfach absetzen und neu ansetzen.
  • Ist der Faltkanal gezogen, legt man die Pappe umgedreht auf eine gerade Tischkante und führt die Faltung durch. Das sollte gut klappen.

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07 Zusammenbauschritt II

  • Dann hält man die beiden Sitzflächen-Teile zeitgleich zwischen die Beinteile, sticht alle 4 Lagen zeitgleich durch und verbindet sie mit Schrauben.
  • Die Schrauben sitzen an den selben Stellen wie schon bei den anderen beinen (ca. 5 cm von oben und unten).
  • Dann nur noch den Deckel umklappen und fertig ist der Sitz.

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08 Sitzfläche anpassen und mehr

  • Wie man auf unserem Modell oben sieht, waren die Beinteile zu lang (Maß a). Aber das ist kein Problem, einfach die Schrauben dort nochmal lösen, die Längen kürzen und alles neu zusammenschrauben.
  • Jetzt kann man den Hocker umdrehen und sich auf dem Boden die Form der Sitzfläche, die man gerne haben möchte, anzeichnen und ausschneiden.
  • Die Sitzfläche wird immer wieder hochklappen. Auf den Bildern oben sieht man eine einfache Möglichkeit, wie man die Sitzfläche an den Körper des Hockers schraubt.

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That’s it! Soweit ist die Entwicklung bisher vorangeschritten. Jetzt seid ihr dran! Gerade bei der Sitzfläche lässt sich noch viel denken und ausprobieren. Und auch beim Körperbau kann man durch mehr (oder weniger) Faltungen mehr und anders Stabilität reinbringen.

Wir sind gespannt auf eure zukünftige Entwicklungen. Lasst uns eine Bevolkerung schaffen!

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Volker ist entwickelt worden für einen Workshop für den Sukuma arts e.V. in Dresden am 4. Mai 2022. Hier sind die Dokumente vom Workshop (PDF Download) und hier in diesem Album gibt es Bilder. 

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Und Volker ist natürlich ein Open Circular Design.

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