Workshop HowTo : Autofreie Stadt

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Zusammenfassung

In diesem Workshop zur autofreien Stadt befassen sich die Teilnehmer*innen mit der Idee der autofreien Stadt, stellen Forschungen dazu an, entwickeln ihre eigenen Kommunikations-Guerilla-Aktionen dafür und setzen sie um.

Fotoalbum zum Projekt | Doku als .doc-Datei

Hintergrund

Der Workshop wurde entwickelt und durchgeführt im Rahmen von „Palast der Projekte – die ökologische Zukunftsstadt“ in der Fichtelgebirge-Grundschule Berlin. Dokumentiert ist eine Durchführung mit 24 Kindern von ca 12 Jahren (6 Klasse), 3 Erwachsenen (2 Künstler*innen, 1 Lehrer*in) über 3 Tage im Oktober mit jeweils 3,5 Stunden Arbeitszeit für die Kinder (8:00-12:00).

Gefördert von: Kulturprojekte Berlin

Mifactori-Akteure: Lars Zimmermann, Willie Tomes

Ablauf

Ablauf nach Tagen

Fotoalbum zum Projekt

(Dokumentation schnell heruntergeschrieben, keine Korrektur gelesen.)

(Hinweis! Der Workshop ist relativ ambitioniert. Unser Durchlauf ging nicht zu 100% auf. Einem Teil der Klasse fiel es nicht leicht, sich in die Problematik hineinzudenken und motiviert Ideen dazu umzusetzen. Trotzdem würden wir den Workshop fast genau so wiederholen. Kleinere zukünftige Änderungen sind unten im Ablauf schon eingebaut. Wichtigste Änderung: Für einen neuen Durchlauf sollte man deutlich mehr Zeit einräumen. Pro Tag mindestens eine Stunde mehr, vielleicht sogar zwei.)

Tag 1: Einführung in das Thema und gemeinsame Forschung

Der zweite Tag chronologisch:

1. Begrüßung und Vorstellungsrunde

Kurze Begrüßung mit den ersten Sätzen zum Thema und einem zweisätzigen Ausblick auf die nächsten Tage. Danach sollen die Kinder sich vorstellen mit ihrem Namen und den Verkehrsmitteln, mit denen sie heute morgen zur Schule gekommen sind: „Mein Name ist Ken und ich bin mit dem Fahrrad hier.“ In unserer Klasse mit über zwanzig Schüler*innen war nur 1 Kind mit dem Auto gekommen. Also unser Leben hier funktioniert schonmal fast ohne Privatautos.

2. Einführung in das Thema und in den Workshop *

Danach gibt es eine ausführliche Vorschau auf den Workshop: „Wir werden gemeinsam überlegen, welche Rollen Autos in der Stadt spielen, ob eine autofreie Stadt möglich ist und wie sie aussehen kann. Wir werden eigene Experimente durchführen und unsere eigenen Kunst- und Aktivismus-Aktionen dazu entwickeln.“

„Könnt ihr euch eine Stadt ohne Autos vorstellen?“ (Diskussion)

„Und damit ihr seht, was wir am Ende machen werden, erkläre ich euch mal kurz ‚Kommunikations-Guerilla’.“

Es ist wichtig, dass man am Anfang des Workshops den Kindern vermittelt, was am Ende herauskommen wird. Dazu zeigt man ihnen eine größere Auswahl von Kommunikationsguerilla-Aktionen. Yes-Men, Greenpeace, Ad-Busting-Beispiele mit denen sie etwas anfangen können (McDiabetes, Murder King usw.), Parking-Day-Aktionen, Fahrradaktivismus-Aktionen, Der aufblasbare Superman vorm Atomkraftwerk, City-Hacking-Aktionen ( 1 | 2 ) und mehr. Eine schöne sprechende Auswahl, die den Kindern Lust macht. kindgerechte Beispiele.

3. „Verkehrsforscher*in“-Verkleidung basteln

Für unser erstes gemeinsames Experiment und vielleicht auch weiteres brauchen wir eine (Schutz)-Verkleidung: „kleine*r Verkehrsforscher*in“-Abzeichen. Jedes Kind entwirft dafür erstmal ein eigenes Abzeichen. Dann zeigt man der Klasse alle Ergebnisse und legt sie vorn aus zur Abstimmung. Jedes Kind hat 2 Stimmen und macht kleine Striche auf die Bilder, für die es abstimmen möchte. Die Gewinnerplakette wird dann von allen einmal nachgezeichnet. Wir heften uns die Plaketten an (mit Sicherheitsnadeln oder einem Bindfaden) und sind fertig für unsere erste Aktion: Platzhalter.

4. Aktion/Experiment 1: „Platzhalter“

Die Kinder teilen sich in Teams aus zwei Personen auf. Eine Person guckt immer nach Autos, die andere zieht mit Kreide einen Rahmen um die in der Straße parkenden Autos – farblich passend – und schreibt, welches Auto dort steht.

„So können wir morgen sehen, wie viele Autos sich hier wirklich bewegen und wie viele hier nur dauergeparkt sind und die Stadt vollmachen und uns Platz zum Leben wegnehmen.“

Man zeigt den Kindern, wie sie das machen. Verbesserung: Beim nächsten Mal würden wir die Kinder dazu anhalten, richtig dicke (!) Striche zu machen. Eventuell ihnen Lineale mitgeben oder einen anderen Trick, damit die Striche eher gerade als schief werden. Außerdem ist Herbst nicht die beste Zeit für diese Aktion/dieses Experiment, weil herabgefallene Blätter die Striche und damit deren Signal-Wirkung überdecken können.

Die Aktion kann natürlich, je nachdem wo man sie macht, Ärger provozieren. Dafür haben die Kinder ihre Abzeichen „kleine*r Verkehrsforscher*in“ gebastelt, auf die sie verweisen können, wenn sie angesprochen werden. Sonst bleibt man natürlich in der Nähe. Die Kinder arbeiten in einer großen Gruppe, die sich in der Straße langsam nach vorn bewegt.

Hier sind Bilder und ein Video von der Aktion. Mehr gibt es hier.

5. Die autofreie Stadt

Wieder im Klassenzimmer schauen wir ein 6 minütiges Video der Öffentlich-rechtlichen zur autofreien Stadt. Das Video ist gut. Es enthält einen Großteil der wichtigen Ideen für eine autofreie Stadt. Die Kinder bekommen dafür Aufgaben.

Hört hin:

1. Welche Ideen werden genannt, um eventuell auftretende Probleme zu lösen?
2. Welche unlösbaren Probleme werden genannt?
3. Welche Vorteile einer autofreien Stadt werden genannt?

Video:

In der Mediathek (verfügbar bis Oktober 2022) | Backup Link

Wir schauen das Video und sprechen hinterher ausführlich darüber, zweigen im Gespräch auch mal ab. Immer wenn eine Idee auftaucht, schreiben wir sie als kurzen Satz auf ein leeres Blatt Papier. Am Ende sollten genau so viele Blätter mit Ideen vorhanden sein, wie es Schüler*innen in der Klasse gibt. Wir werden morgen damit weiterarbeiten (siehe unten: Buch der autofreien Stadt).

MATERIAL

  • Straßenkreide in großer Menge
  • Papier, Stifte, Scheren, Sicherheitsnadeln oder Strick (Abzeichen)

 

Tag 2: Buch der autofreien Stadt und Aktionsentwicklung

Der zweite Tag chronologisch:

1. Begrüßung & Fortschritt Außenperformance

Nach einer kurzen Begrüßung und einer Aussicht auf den Tag gehen wir hinaus auf die Straße und schauen nach dem Ergebnis unseres Experimentes vom Vortrag. Die Klasse wird in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe soll zählen, wie viele Parzellen wir überhaupt gezeichnet haben, die andere in wie vielen davon noch die gleichen Autos stehen.

Hier sind die Ergebnisse von uns: Wir haben 81 Parzellen gezeichnet und in 32 davon standen noch die gleichen Autos. Die Wrangelstraße scheint doch sehr lebendig zu sein.

2. Buch der autofreien Stadt

Wir schauen uns die Blätter mit den Ideen der autofreien Stadt vom Vortag an und sprechen die Ideen noch einmal kurz durch. Dann werden die Blätter per Zufallsprinzip verteilt und die Kinder sollen Bilder zur Idee auf dem Blatt zeichnen. Die entstandenen Bilder schauen wir gemeinsam an, sprechen über jedes einzelne und hängen sie an eine Wand, damit die Kinder sich dort Anregungen für die nächste Runde holen können.

Später im Workshop werden sie alle zusammengebunden zum Buch der autofreien Stadt – einem unserer Ergebnisse.

Illustrierte Blätter mit Ideen (Buch der autofreien Stadt):

3. Guerilla Aktionen entwickeln

Nach einer Wiederholung des Guerilla Kommunikationskonzeptes teilen sich die Kinder selbstständig in Gruppen auf: Sie sollen eigene Aktionskonzepte entwickeln und in allen Details ausformulieren (Verkleidung, Requisisten usw.)! Für ihre Aktion sollen sie ein Konzeptblatt erstellen. Auf dem Blatt soll stehen:

  • Name der Aktion
  • Beschreibungssatz oder zwei Beschreibungssätze
  • Skizze

Es liegt auch etwas Prototyping-Material im Raum aus um Modelle zu bauen. In unserem Falle war das Bienenwachsknete, Papier und Holzstäbchen.

Wir haben ein paar Beispiel-Aktionen mitgebracht schon in Form von illustrierten Blättern. Damit kann man erklären, wie die Präsentation aussehen sollen, in welche Richtung man denken kann und außerdem hat man damit Aktionen in der Hinterhand, die man ausführen kann, wenn die in der Klasse entwickelten Ideen nicht umsetzbar sind.

Unsere Beispielaktionen:

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4. Präsentation der Aktionen

Die Ideen werden vorgestellt. Dabei in der großen Runde gleich verfeinert. Und vor allem auch besprochen, wie praktikabel sie sind: Können wir sie umsetzen in unserem Zeitrahmen und mit unseren Mitteln? Wie können wir Dinge doch möglich machen? Am Ende werden Aktionen ausgesucht, die wir umsetzen wollen. Dabei können neue Gruppen gebildet werden.

Bei uns gab es zweimal eine Picknick-Idee, mehrere Ideen zu Schildern, einen aufwändigen Garten mitten auf der Straße und Papphasen voller Film-Blut, die man auf die Straße setzt zum Überfahren (sehr cool!).

Daraus haben wir 3 neue Gruppen gebildet: Die Hasengruppe, die Schildergruppe und die Picknickgruppe.

Die Hasengruppe stellt ihr Konzept vor.

5. Start der Umsetzung

Sind die zu realisierenden Ideen ausgewählt, sollen sich die Gruppen zusammenfinden und aufschreiben, welches Material dafür gebraucht wird und wo man es besorgen kann. Später wird eine Materialgruppe gebildet, die einkaufen geht oder aus anderen Quellen Material besorgt. Während die anderen bereits beginnen, die Idee umzusetzen.

Tag 3: Finalisierung und Ausführung der Aktionen

Der dritte Tag chronologisch:

1. Finalisierung der Aktionen

Die Gruppen haben viel Zeit, ihre Aktionen vorzubereiten, Requisiten dafür zu besorgen (Einkaufsgruppe, Pappe holen aus dem Supermarkt usw.) oder zu bauen. Dabei praktisch vorgehen: Improvisieren statt viel Geld auszugeben oder Müll zu produzieren.

Ziel ist es, die Aktionen noch an diesem Tag umzusetzen.

Hier ist unser Workshop nicht aufgegangen. Es war zu wenig Zeit übrig, die Aktionen ausreichend vorzubereiten und hinterher auch noch in Ruhe auszuführen: Die Hasengruppe wurde knapp fertig. Die Picknickgruppe hatte nicht genug Zeit, richtige Requisiten zu bauen (wie z.B. Decken oder Sonnenschirme aus Pappe). Und leider fand unsere Schildergruppe gar nicht in einen produktiven Arbeitsmodus in der verbliebenen Zeit.

2. Umsetzung

Zu einer kurzen sporadischen Umsetzung der Aktion vor der Schule sind wir doch noch gekommen. Kein richtig guter Abschluss weil nur halbe Aktionen. Aber immerhin wurde ein Hase „gekillt“ und wir haben auch alle mal gesessen mitten auf der Straße und etwas gegessen.

3. Abschlussgespräch, Feedbackrunde und Verabschiedung

Wieder im Klassenzimmer ist noch einmal Zeit für generelle Ideen oder Anregungen zur autofreien Stadt und vor allem auch Kritik daran. Danach gibt es Feedback. Die Kinder können sagen, wie ihnen der Workshop gefallen hat. Dann verabschieden wir uns.

Komplettes Bilderalbum zum Projekt

Übersicht über alle Workshops aus dem Palast der Projekte

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